Japan News November 2003 die Dritte

16 07 2010

Email vom 28.11.2003

Guten Tag!

Eigentlich wollte ich “…-2″ erst bei der zehnten Mail benutzen.

Egal.

Hier noch einige Nachträge zu meiner Mail über “Ansagen”. Genehmigung zum zitieren beantrage ich mir hiermit. Einer schrieb zum Beispiel:

>> mario hatte in seiner vorletzten rundmail einen fehler: es sind 7233 warnungen, er hat “wenn sie im zug fahren kann es passieren dass im notfall die notbremse benutzt wird. passen sie auf und halten sie sich irgendwo fest!” vergessen.<<

Er hat recht!

Ein anderer erklärte mir, warum es soviele Warnungen gibt.

>> das hat nämlich nen rechtlichen hintergrund… irgendeinmal vor langer zeit als es noch kaum warnhinweise gab, wurde mal nen typ von der bahn erfasst und weil er querschnittsgelähmt das überlebt hat, dachte er sich… “hmmmm das kann doch nicht angehen, ich verklag die einfach mal”… und siehe da, das rechtssystem war dagegen nicht richtig gewappnet und seinem schadensersatzanspruch wurde stattgegeben… und nun ist es immer mehr leuten passiert, dass ihnen ungewöhnliche unfälle passiert sind und auch die wussten von diesem einen fall und schwups wurde das rechtssystem ausgehebelt und damit die firmen für so nen unfug nicht zahlen müssen, warnen sie ihre kunden bzw. ziehen ne gelbe linie an der bahn die bei einfahrt des zuges nicht überquert werden darf und weisen die leute extra darauf hin…<<

Auch er hat recht.

Als Bonus gibt es nach langer Zeit mal wieder ein Bild, was man nur mit einem Mikroskop ordentlich sehen könnte, wenn die Auflösung nicht so schlecht wäre (3×2 Pixel). Zur Versinnbildlichung (Wortschöpfung?).

>> Bitte den Aufzug bei einem Erdbeben oder Großbrand nicht benutzen. <<

Erdbebenaufzugwarnung

Erdbebenwarnung im Aufzug

Muss ich dazu noch was sagen?

Heute ist Freitag. Ich war mal wieder mit meinen Kolleginnen essen. Diesmal war es Koreanisch. Schaaaarf. Am Mittwoch schnappte ich mir den David und wir gingen Japanisch essen. Mal was ganz anderes! Für umgerechnet 5 Euro bestellten wir drei Spargelstangen (die grünen, dünnen) umhüllt mit gebratenem Schinken. Das war so lecker, das wir dies noch zweimal bestellten. Außerdem Soba (Buchweizennudeln) on the rocks (Eiswürfel). Auf Davids Omlett mussten wir länger warten. Aber mein Essen konnte zum Glück kälter nicht mehr werden.

Diese Mail tippe ich jetzt schon zum dritten Mal. Bin gespannt wieviele Tasten diese Maus hier noch hat. Gerade habe ich mit einer Taste den Bildschirminhalt gelöscht. Hahahaha. Beim ersten Mal habe ich es geschafft in meinem GMX Fenster irgendeine Taste zu drücken, die mich auf einen völlig anderen Bildschirm brachte.

So, beim übernächsten Mal schreibe ich vielleicht etwas über das S-Bahn fahren.

Bis dahin alles Gute und schönen ersten Advent!

Euer Mario (der jeden Tag mindestens einen heißen Dosenkaffee trinken und einen Baumkuchen dazu essen muss)

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Email vom 25.11.2003

Guten Morgen!

Heute war wieder Geldtag und mir gehts daher entsprechend gut. Ich wollte heute mal nichts schreiben, deshalb hier meine Rundmail:

Okay, okay! Aber nur kurz.

Gestern war ich bei meinem neuen Kumpel Herrn Kobay. zuhause. Seine Mutter hat Sushi bezahlt und leckeren Eintopf mit Pilzen, Kartoffeln, Garnelen, Krebsen und Tofu gekocht. Während wir aßen, sahen wir “Action-Fernsehen”. Das ist wie Notruf 110, heißt aber 911. Der Eintopf war sehr lecker und ich musste fast weinen. Denn in einer Familie gutes Essen (Nabe und Sushi) zu kriegen und sich dabei unter einem Tisch der eine eingebaute Heizung hat (Kotatsu) die Füße zu wärmen, und sich während dessen mit einem Massagekissen den Rücken verwöhnen zu lassen, bringt mich den Tränen sehr nahe. Dies war der längste Satz meines Lebens und es wird nie wieder vergleichbare Sätze geben.

Jedenfalls!

Hat mir doch Kobay. Sensei meinen Job erklärt. Ich dachte immer, ich sei so eine Art Lehrer, der, weil er kein Japaner ist, immer die Sklavenarbeit machen muss. Deshalb war ich neulich sehr demotiviert. Jetzt aber weiß ich dass ich kein Lehrer bin, sondern ein Ausländer der immer die Sklavenarbeit… Nein! Nur Spass! Ich bin eine “Dem-Lehrer-zur-handgehende-Hilfskraft”! Das bedeutet für mich, dass ich mich keinem Druck mehr unterwerfen muss, etwas falsch zu machen. Denn meine Arbeit ist es, Hilfe anzubieten und Hilfestellung zu leisten! Deshalb hat mir heute meine Arbeit sehr viel Spaß gemacht, weil ich effektiv arbeiten konnte.

Vielleicht lag es aber auch an der vielstelligen Zahl, die auf meiner Gehaltsabrechnung stand. Ich glaube dass ich mich langsam an diesen stressigen (weil lauten) Job gewöhne. Die Kinder mögen mich und die Lehrer auch! Heute habe ich z.B. ein Erstklässlermädchen über meine Schulter geworfen und es dann die ganze Zeit mit mir herumgetragen und so getan, als würde ich es nicht merken. Das war lustig.

Dann noch etwas zu zwei Arbeitskolleginnen. Die beiden haben Japan noch nie verlassen. Sie können sich gar nicht vorstellen ins Ausland zu reisen. Sie haben zuviel Angst, dass sie das Essen nicht vertragen. Außerdem sind die Menschen, die Sprache und die Kultur fremd. Aber ist das nicht gerade das Faszinierende an einer Reise? Das Geld ist ihnen auch zu schade. Man bedenke nur, dass sie noch bei ihren Eltern wohnen, und kein “Kostgeld” abgeben müssen. Und sicherlich verdienen sie noch mehr als ich. Sie haben also quasi überhaupt keine Kosten!

Das wars.
Jetzt habe ich doch mehr geschrieben als ich wollte.

Euer Mario, der anläßlich des heutigen Geburtstags des Chefs, ihm einen Kühlschrank-Magneten geschenkt hat, auf dem er und ich abgebildet sind. Gute Nacht!





Japan News November 2003 die Zweite

9 07 2010

Email vom 11.11.2003

Guten Abend!

Bald ist es 11 Uhr 11 bei Euch! Bei mir gabs heute keine Pfannkuchen, sondern nur erstaunte Gesichter als ich danach fragte.

Letztes Wochenende hatten wir einen Basar. Ich durfte den Clown spielen. Erst als ich später Fotos sah, wusste ich, dass mir das hätte peinlich sein sollen. Meine Kollegen bewunderten mich auch die ganze Zeit, wie mutig ich bin, in so einem Aufzug rumzurennen.

Zum Oni wollte ich noch anmerken, dass ein Oni immer (in jedem Spiel) vorkommt. Damit ist eigentlich nicht der Teufel gemeint, sondern nur derjenige der die meiste Arbeit hat und ins schwitzen kommt.

Hab meine Kinder alle ganz doll lieb.

Diese Woche habe ich das Vergnügen, wieder in der Gruppe zu dienen, bei der ich zuerst diente. Die Hikarigumi! Das sind die Ältesten und kommen nächstes Jahr in die Schule. Trotzdem merkt man, dass sie Kinder sind. So wie wir alle.

Ich leih mir noch einen japanischen Film aus, vielleicht versteh ich zur Abwechslung mal was. Kino ist immer noch zu teuer und zu weit. Wie ist die Matrix 3? Lohnt es sich 15 Euro dafür auszugeben?

Seid schön gegrüßt.

Euer “vom Fasching für ein Jahr befreiter” Mario

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Email vom 14.11.2003

Kultur!

Nach der anstrengenden Arbeitswoche geht die Drohne ins lokale Sento (öffentliches Badehaus) mit Sauna, 45 Grad Celsius und Sprudel-Becken und 10 Grad Celsius Becken.

Danach mit Kollegen ins nahegelegene Yaki Niku (Fleisch zum selber grillen) Restaurant und für 40 Euro pro Person essen bis man geplatzt ist (Passierte mir übrigens nicht zum ersten Mal)!

Jetzt geh ich nach Hause und bereite mich auf Davids Geburtstag vor (schlafen).

Bis bald,

Euer Mario

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Email vom 20.11.2003

Liebe Leser und Leserinnen!

Wie fange ich am besten an? Allen die schon mindestens einmal in Japan waren, ist das Phänomen der Ansagen bekannt. Für alle anderen möchte ich “Ansagen” jetzt ein wenig beleuchten. Japan-Besucher dürfen trotzdem weiterlesen und müssen nicht abschalten.

Was ist laut, bis ins Gehirn durchdringend, nicht weghörbar und total ”nützlich”? Wer jetzt “Ansagen” dachte oder sagte, liegt total richtig. War auch nicht so schwer, habe ich oben schon verraten.

Rolltreppe: “Ding, dong! Passen Sie beim Verlassen der Rolltreppe auf Ihre Füße auf! Ding, dong…”

Bahnhof: “Weil es gefährlich ist und ein Zug einfährt, bleiben Sie bitte hinter der gelben Linie!” - ”Auf Gleis X fährt ein Zug ein!” – “Auf Gleis X gibt es eine Zugdurchfahrt” – “Auf Gleis X fährt bald ein Zug ab!” – “Achtung! Die Türen schließen!” – “Weil es gefährlich ist: Nicht während des Türenschließens in den Zug einsteigen/zum Zug rennen!”

Im Zug: “Bitte Handy ausschalten!” – “Bitte wenigstens bei den Plätzen für benachteiligte/ältere Menschen das Handy ausschalten!” – “Oder den ”Manieren-Modus” einschalten (Telefon stummschalten)!”

Es gibt genau 7232 Ansagen. Ich habe sie gezählt. Besonders interessant sind die Warnansagen! ”Weil es gefährlich ist… tu dies und jenes nicht!” Wir werden uns demnächst mal ein T-Shirt drucken lassen mit der Aufschrift: ”Weil es gefährlich ist, leben Sie nicht!” Es muss wirklich Menschen geben, für die diese Ansagen gemacht wurden. Wer kommt denn auf die Idee… Wenn ich meinen Kindergarten Job beendet habe, fange ich als “Warnansager” an! Wie lange wohl die Ausbildung dauert? Schließlich muss man es als Announcer auch ernst meinen oder wenigstens so tun als ob. Die neue Berufssparte! Interessant wäre sicher auch zu beobachten, wie solche Ansagen aufgezeichnet werden. Eine Studiotour bietet sich da doch regelrecht an. Der/die Ansager/in braucht 20 mal, bis der schwachsinnige Text ohne Grinsen über die Lippen geht. ”Weil es gefährlich ist, hören Sie auf zu HAHAHAHAHAHHA äh… lachen!”

Ich liebe Japan!

Euer Mario

PS: Ab morgen hab ich ein Fahrrad! Ayase gehört mir!!! (Ich wohne in Ayase.)








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